Über fixe Kompensationszahlen und steigende Studierendenzahlen

Zum Sommersemester 2011 wurden zum letzten mal Studienbeiträge erhoben und dies kann man wohl als eine gute Entscheidung bezeichnen. Leider ist dies die einzig gute Entscheidung die durch die Landesregierung NRW getroffen wurde und durchgesetzt wurde.

Nach der Einführung der (Langzeit-)Studiengebühren 2002 in Höhe von 650 Euro ab dem 1,5 fachen der Semesterwochenstunden durch Hannelore Kraft als Wissenschaftsministerin unter der damaligen rot-grünen Landesregierung in NRW und der Einführung der allgemeinen Studienbeiträge in Höhe von maximal 500 Euro zum Wintersemester 2006/2007 gibt es nun wieder die Abschaffung der allgemeinen Studienbeiträge. Auf Nachfrage sagte Frau Ministerin Svenja Schulze bei ihrer Rundtour durch die Hochschulen von NRW, dass auch eine Wiedereinführung der Studienkonten nicht kommen wird.Schon hier bleibt abzuwarten ob es bei dieser Entscheidung bleibt oder angesichts der vielen finanziellen Versprechungen mit denen rot-grün auch die Wahlen in NRW gewonnen hat eine „Anpassung“ dieser Aussage für die Landesregierung nötig erscheint.

Auszuschließen ist es nicht. Schon gar nicht wenn man die Haltung zu Studienbeiträgen 2003 bedenkt. In einem Artikel in der Welt wird Hannelore Kraft zitiert mit: „Wir warten nun erst einmal das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ab. Sofern es dann eine andere Handhabe gibt, werden wir das Thema Studiengebühren politisch neu bewerten müssen.“ Eine Absage sieht anders aus.

Im Zuge der Abschaffung der Studienbeiträge zum kommenden Wintersemester hat die Landesregierung Kompensationszahlungen in Höhe von mindestens 249 Millionen Euro pro Jahr zugesagt und zudem, dass es keine finanziellen Einbußen gibt für die einzelnen Universitäten. Diese 249 Millionen klingen nach viel Geld und sind auch viel Geld und sind die Summe der Einnahmen durch Studienbeiträge 2009.

Die Kompensationszahlungen sollen laut der NRW-Landesregierung anhand der Anzahl der Studierenden aufgeteilt werden. Laut der Statistik über Studierende an den Hochschulen in NRW des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (kurz: MIWF) gab es im Wintersemester 2009/2010 an den Hochschulen in NRW 501178 Studierende. Bei den angekündigten Kompensationszahlungen entspricht das einem durchschnittlichen Aufkommen von aufgerundet etwa 497 Euro pro Studierenden und Jahr. Man kann mit dieser vergleichsweise einfachen Rechnung schon erkennen, dass die Kompensationszahlungen nicht ausreichen werden um die fehlenden Studienbeiträge komplett aufzufangen.

Nun entwickeln sich die Studierendenzahlen in NRW positiv, sie steigen also. Nach der oben genannten Statistik stieg die Zahl vom Wintersemester 2005/2006 auf das Wintersemester 2009/2010 um 30863 Studierende, dies entspricht einem plus von etwa 6,56%. Es ist jetzt schon abzusehen, dass die Studierendenzahlen steigen werden. Neben der Aussetzung der Wehrpflicht zum 01.Juli 2011 ist aufgrund der Abschaffung der Studienbeiträge auch mit einem Anstieg der Studierendenzahlen zu rechnen. Zudem werden im kommenden Wintersemester die doppelten Abiturjahrgänge aus Bayern und Niedersachsen zum Teil auch nach NRW kommen. So steigen die Studierendenzahlen in naher Zukunft vermutlich deutlich an. Und somit sinken die Kompensationszahlungen je Student weiter.

Wir haben also einige sehr spannende und wichtige Jahre vor uns und es bleibt abzuwarten ob die finanzielle Unterstützung der Universitäten steigt und auch wie die zusätzlichen Studierenden in den nächsten Jahren untergebracht sind.

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