Heute Mittag in der Mensa.
Die leckere Geflügelbratwurst auf dem Teller machte ich mich in Richtung “meines” Platzes. Schade, dass ich bei dem Essen keine Synsepalum dulcificum dabei hatte. Ein paar Kommilitonen waren auch schon da und ich setzte mich dazu mit den Worten, “Na, am Feiertag auch arbeiten?”
Die Antwort folgte prompt in Form von 3 paar ratlosen Augenpaaren.
Da waren sie wieder, die pädagogische Allmacht der nächsten Generation und ihr Nichtwissen um die Bedeutung des heutigen Tages.
“Heute, ist der 17. Juni. Da jährt sich der Volksaufstand in der SBZ DDR. Er war früher, als Tag der Deutschen Einheit, ein gesetzlicher Feiertag.” Einem dämmerte etwas – “Ja, da war was.” -, während ein anderer mit stolzer Brust verkündete, dass der Tag der Deutschen Einheit am 3.Oktober gefeiert wird, da da die Mauer fiel. (O-Ton!)
Das war der Moment, wo mir das Essen endgültig nicht mehr schmeckte und ich es plötzlich ganz eilig hatte.
Auch wenn ich nicht alle erreiche, so möchte ich doch jedem den Artikel “17. Juni 1953” ans Herz legen. Zum einem erweitert das den Horizont und zum anderen haben bei diesem Volksaufstand mind. 55 Menschen für die Freiheit ihr Leben gelassen.
Gerade in unserer schnelllebigen Zeit wird so manches verdrängt, was nicht in das momentane politische Modell passt.
Passend ist in diesem Zusammenhang auch ein Interview mit Luc Jochimsen, die Bundespräsidentschaftskandidatin der SED PDS Die Linke, die die Dreistigkeit besitzt, die SBZ DDR, in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt, nicht pauschal als einen Unrechtsstaat zu verurteilen.
Einen ausführlichen Bericht findet sich dazu auch in der Onlineausgabe der Rheinischen Post.
Es ist gut zu wissen, dass sie keine Chancen hat.
JR

@Ekelbaron
Die Proteste von 1953 als gewalttätig zu bezeichnen halte doch schon für ein wenig überzogen. Aus der Sicht der Demonstranten. Die Gewalt damals ging in erster Linie vom Regime der SBZ aus und ist nicht zu vergleichen mit den Spinnern, die heute zu einer Demonstration gehen, mit dem Vorsatz, gewalttätig zu sein.
Nicht das ich falsch verstanden werde. Das Demonstrationsrecht ist ein für mich unverzichtbares Recht des Bürgers in einer Demokratie und ich selbst halte bestimmte Formen diese Einzuschränken für ein Schlag in das Gesicht der Gründungsväter unserer Verfassung. (OK, heißt Grundgesetz, aber ihr wisst was ich meine.) Die Übergriffe der Ordnungshüter (youtube ist voll davon) ebenso für unangebracht wie diejenigen, die Brandsätze, Steine u.ä. werfen.
Wobei ich finde, dass ein solches Verhalten von beiden Seiten kontraproduktiv ist. Auf der einen Seite gehen weniger Menschen zu einer Demonstration, da sie befürchten müssen, verletzt oder verhaftet zu werden. Und jeder vernünftige Mensch bleibt dann lieber zu Haus, bevor er zu Schaden kommt.
Und was hat eigentlich der Volksaufstand von 1953 mit Patriotismus gemein?
JR
Habt ihr ja gemacht, und das ist auch gut so… Wobei mir persönlich immer gruselig wird, wenn ich irgendwo Patriotismus wittere…
Es ist bloß ein netter Seitenhieb, der darauf aufmerksam machen sollte, dass einige von euch evtl. ab und zu mal mit zweierlei Maß messen. Immerhin solidarisiert ihr euch hier explizit mit gewalttätigen Protesten. Das hätte ich bisher einfach nicht erwartet.
Btw. Ich glaub, 53 gabs auch noch garkeine christlichen Blockparteien… Aber wie auch immer…
@Ekelbaron
Es ist immer wieder schön, wenn heute Leute wissen was andere zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit gemacht hätten. Abgesehen davon geht es mir nicht darum, irgendwelche Vorwürfe zu machen, sondern vielmehr an diesen bedeutenden Tag Deutscher Geschichte zu erinnern.
Aber anscheinend willst du das nicht verstehen.
Am 17. Juni hättet ihr in eurer christlichen Blockparteie gehockt und den gewalttätigen Extremismus gescholten: “Die hätten doch auch kandidieren können”, hättet ihr gerufen, “Aber manchen kommt es eben nur auf Krawall an.”